Das leere Blatt Papier, das weite Weiß des Word-Docs, der ungeduldig blinkende Cursor – und du hast keinen Plan, wie du das ändern könntest. Du findest einfach keinen Texteinstieg, die zündende Idee lässt auf sich warten. Und warten. Und warten. Die gute Nachricht: Das kennt jeder, der schreibt. Auch ich. Die noch bessere Nachricht: Das kann man ändern. Wie, das zeige ich dir in diesem Artikel.

Der Einstieg in einen Artikel soll den Leser packen und festhalten, am besten gleich vom starken ersten Satz an. Der Einstieg soll neugierig machen und Lust auf mehr, soll gut geschrieben sein, unterhalten, Mehrwert bieten, das Thema des gesamten Artikels klar machen, und, ach ja, idealerweise ist er auch noch für Google interessant, wenn es um einen Blog-Artikel oder Website-Text geht. Dir treten jetzt schon die Schweißperlen auf die Stirn? Dann tupf sie dir gleich mal ganz entspannt ab, atme einmal tief durch und lass dir sagen: Das ist alles kein Hexenwerk.

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Variante 1: Die konkrete Problembeschreibung

Nein, du musst kein gefeierter Autor sein und auch nicht mit gewaltigen Sprachbildern um dich werfen, um deine Leser zu packen. Die einfachste und durchaus eine der effektivsten Methoden für den Einstieg in einen Artikel ist der direkte Weg. Kurze, klare Aussagen. Subjekt, Prädikat, Objekt. Mitten rein ins Thema. Ein Beispiel, wie ich diesen Artikel nach dieser Methode auch hätte einleiten können:

“Mit dem Schreiben eines Artikel anzufangen ist für viele eine große Hürde. Dabei ist es gar nicht so schwer, den Anfang für einen Text zu finden. In diesem Artikel gebe ich dir Tipps, wie du ohne langes Überlegen loslegen kannst.”

Wie Google konkrete Texteinstiege wertet

Damit hätte ich direkt all jene angesprochen, die genau dieses Problem lösen wollen, also eine klar zugeschnittene Zielgruppe. Damit wäre der Einstieg im Sinne von Googles Qualitätsrichtlinien, denn Google will seinen Nutzern Suchergebnisse bieten, die exakt die Antworten parat halten, nach denen sie gesucht haben. Zugleich wäre dieser Einstieg auch aus SEO-Sicht ideal, weil grundlegende Keywords darin vorkommen: Artikel, Schreiben, Anfang, Tipps.

Für wen sich konkrete Textanfänge eignen

Texteinstiege, die direkt ins Thema führen, eignen sich für fast alle Medien: Ideal sind sie fürs Web und für Blogs, aber auch Journalisten setzen solche Einstiege in Berichten und Nachrichten ein.

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Variante 2: Szenisch einsteigen

Die zweite Variante ist die, für die ich mich in diesem Artikel entschieden habe: Der szenische Einstieg. Für szenische Einstiege brauchst du ein bisschen Fantasie. Stell dir vor, wie das Kernthema deines Artikels in der Realität aussehen würde. In meinem Fall war es der Moment, den ich täglich selbst erlebe: Ich setze mich vor den Rechner und will mit dem Schreiben eines Textes beginnen.

Alternativ hätte ich auch eine Szene beschreiben können, die ich beobachtet habe. Beispiel: Kollegen, die vor ihrem Word-Doc sitzen, einen Ellbogen auf den Schreibtisch gestützt, das Kinn in eine Hand gestützt, die andere an der Kaffeetasse, der Blick scheinbar gedankenverloren aus dem Fenster schweifend.

Wie Google szenische Einstiege wertet

Szenische oder reportagehafte Einstiege appellieren fast immer an die Emotionen des Lesers, weil sie sich selbst wiederfinden können. Damit haben solche Einstiege das Potenzial, auch die Aufmerksamkeit jener Leser zu binden, die den Artikel zunächst mit Skepsis zu lesen anfangen und noch nicht sicher sind, ob sie der Inhalt wirklich interessiert. Damit können solche Texteinstiege potenziell eine breitere Masse an Lesern binden.

Der Sinn: (Hoffentlich) mehr Google-Nutzer, die diesen Artikel lesen, und damit in Googles Augen ein Bonus für bestimmte Suchanfragen rund ums Thema Texteinstieg. Aber Achtung: Ein szenischer Einstieg allein bindet nicht mehr Leser und macht auch aus SEO-Sicht keinen Sinn! Anschließend müssen die Leser auch tatsächlich die Infos finden, nach denen sie gesucht haben. Sonst droht der schnelle Klick auf die Zurück-zur-Google-Ergebnisseite-Taste und damit ein negatives SEO-Signal!

Für wen sich szenische Einstiege eignen

Szenische Einstiege verwenden vor allem Belletristik-Autoren, Magazin-Journalisten, aber auch Blogger und Web-Texter – sofern sie entweder kein SEO betreiben oder sich gut genug damit auskennen, um mit anderen SEO-Pfunden zu wuchern.

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Variante 3: Den Leser direkt ansprechen

“Kennt ihr das auch? Ihr sitzt vor eurem Rechner und wollt einen Text schreiben, aber euch fallen einfach nicht die richtigen Wörter ein? Der Curser blinkt und blinkt, ihr schreibt ein paar Wörter, löscht sie, schreibt wieder ein paar, aber so wirklich fühlt sich das nicht richtig an. Kenne ich! Und das, obwohl ich quasi schon mein ganzes Leben lang schreibe! Deswegen hier mal ein paar Tipps, wie es leichter geht.”

So hätte ich auch anfangen können. Merkt ihr was? Der Einstieg ähnelt dem szenischen Einstieg – und tatsächlich ist er mit ihm verwandt. Der Unterschied: Während ihr als Autor beim szenischen Einstieg der Beobachter seid, schreibt ihr bei der direkten Ansprache aus eurem subjektiven Empfinden heraus. Damit zeigt ihr euren Lesern, dass ihr euch maximal mit dem Thema identifizieren könnt und quasi Leidensgenossen sein.

Wie Google die direkte Ansprache wertet

Der direkte Einstieg ist aus Google-Sicht eine Mischung aus dem konkreten und dem szenischen Einstieg. Denn einerseits umschreibt ihr direkt klar das Thema des Artikels, andererseits appelliert ihr an Emotionen. Allerdings sprecht ihr keine so breite Leserschaft an wie beim rein szenischen Einstieg, sondern nur diejenigen Leser, die die Fragen aus der direkten Ansprache auch tatsächlich mit Ja beantworten können.

Das birgt Potenzial und Risiko zugleich: Wer sich wiederfindet, wird den Artikel lesen und Google damit das Signal senden: Lange Lesedauer = guter Content = für meine Suchanfrage relevant = einer Listung in den oberen Suchergebnissen wert. Wer allerdings zwar einige Absätze des Artikels interessant gefunden hätte, sich aber nicht im Einstieg angesprochen fühlt, klickt sich direkt wieder weg und ist ein verlorener Leser. Wir erinnern uns: Der schnelle Klick zurück ist für Google ein negatives Signal und kann einer der Gründe sein, euren Artikel abzuwerten.

Für wen sich direkte Ansprachen eignen

Die direkte Ansprache ist eine ziemlich saloppe Form des Texteinstiegs. Sie eignet sich daher nur für Blogs und Magazine mit leichtem Inhalt.