“Ich schreibe doch nicht für Google!” und “Entweder ich achte auf SEO oder darauf, dass der Text spannend ist – beides geht nicht!” Das sind zwei der Sätze, die ich während meiner Text-Coachings immer wieder höre, sowohl von gestandenen Online-Journalisten als auch von Selbständigen, die über ihre Arbeit bloggen.

Ich behaupte: Das ist falsch. Im Gegenteil: Ein guter Webtext ist automatisch auch SEO-tauglich. Wie und warum das funktioniert, das will ich in diesem Artikel erklären.

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#1: Starke Texte bieten Mehrwert für Leser. Google liebt diesen “unique content”.

Guter Unique Content, also guter und einzigartiger Inhalt, ist der Schlüssel zu einer guten Google-Platzierung. Längst vorbei sind die Zeiten, in denen die richtige SEO-Schlagwort-Taktik über Wohl und Wehe auf der ersten Suchergebnis-Seite entschied. Inzwischen ist Google schlauer geworden, und zwar so schlau, dass der Google-Algorithmus weiß, ob ein Text guten Inhalt bietet oder nicht.

Faktoren für Google

Wie genau das funktioniert, gibt der Konzern freilich nicht preis. Klar ist aber, dass verschiedene Faktoren Google sagen, ob ein Text empfehlenswert ist oder nicht. Wie häufig ein Artikel angeklickt wird, ist nur ein kleiner Teil dieser SEO-Weisheit. Viel wichtiger ist vermutlich, wie lange Leser anschließend auf der Seite bleiben und den jeweiligen Artikel lesen.

Warum lesen Leser einen Artikel?

Das machen sie nämlich nur, wenn sie unter dem angeklickten Link die Infos finden, nach denen sie bei Google gesucht haben; wenn dort mehr steht als das, was sie ohnehin schon über das jeweilige Thema wissen; wenn der Text verständlich geschrieben ist und obendrein auch noch spannend formuliert. All diese Faktoren kann man natürlich mit einer gezielten SEO-Taktik beeinflussen. Leichter ist es aber, einfach einen guten Text mit gutem Content zu schreiben.

Kurz zusammengefasst

Um einen Text zu schreiben, den sowohl deine Leser als auch Google gut finden, muss sich dein Text von der Masse abheben.

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#2: Ein guter Text hat eine klare These und damit eindeutige Keywords. Google zeigt Texte mit klaren Botschaften weiter oben in den Suchergebnissen an.

Die Basis jeden guten Texts ist eine klare These. Die These dieses Blogartikels ist beispielsweise, dass man sowohl spannend für seine Leser schreiben kann, als auch gleichzeitig für Google optimiert. Diese These erkläre ich anhand von fünf Unterthesen. Wenn ihr über einen Google-Link auf diese Seite gekommen seid, muss irgendwas dran sein an meiner These.

Guter Text = suchmaschinenoptimierter Text

Suchmaschinenoptimiertes Texten funktioniert meines Erachtens weitgehend automatisch durch gutes Schreiben. Ich gehe sogar soweit zu behaupten, dass man sich nicht um SEO kümmern muss, solange man richtig gute Artikel schreibt. Was ein richtig guter Artikel ist? Einer, den Menschen gerne lesen, weil er spannend ist, weil das Thema sie interessiert, weil der Textrhythmus stimmt, der Stil und die Interpunktion. Genauer erkläre ich das demnächst in einem eigenen Blogpost zum Thema “Was ist ein guter Web-Artikel”?.

Klare These bedingt automatisch klare Schlagworte

Einige Voraussetzungen sollte ein Text natürlich schon erfüllen, damit er für Google interessant ist. Aber das macht ein gut geschriebener Artikel meines Erachtens eben automatisch. Eine der Voraussetzungen: Er muss eine klare These haben. Das bedeutet, dass der Text sich um ein eindeutiges Thema dreht und nicht abschweift. Exkurse sind natürlich möglich, im Kern aber sollte die rote Linie erkennbar sein. Ist sie das, fallen die passenden Keywords automatisch mehrmals – ganz ohne SEO-Hexerei und so genanntes Keyword-Stuffing. Die richtigen Schlagworte sind zwar längst nicht mehr so wichtig wie noch vor ein paar Jahren, sie helfen Google aber zu erkennen, worum es in dem Text geht.

Beispiel: These und Keywords dieses Blogposts

Wenn ich diesen Text künstlich verschlagworten wollte, würde ich dafür die Keywords Google, SEO, Texte schreiben und Tipps verwenden. Automatisch fallen in diesem Artikel bereits in ziemlich hoher Dichte und gleichmäßig über den gesamten Artikel verteilt die Keywords Google, SEO, Text, texten und schreiben – und zwar ohne, dass ich gezielt darauf hingeschrieben habe. Die Tipps fallen zwar als organische Schlagworte hinten runter – für mich ist das aber verschmerzbar.

Kurz zusammengefasst

Ich fasse also zusammen: Lege die These deines Artikels fest, bevor du mit dem Schreiben beginnst. Finde deine rote Linie und verfolge sie, um deinen Lesern und Google gleichermaßen Orientierung zu bieten. Dann fallen die passenden Schlagworte ganz automatisch.

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#3: Ist ein Artikel spannend, investieren Leser auch mal mehrere Minuten. Google liebt lange Lesedauern.

Vielleicht bist du auf dieser Seite gelandet, weil du nach Tipps zum Schreiben guter Webtexte gesucht hast. Vielleicht wolltest du auch etwas zum Thema SEO wissen. Vielleicht hast du auch speziell zur nächsten These etwas gesucht, zum Zusammenhang von SEO, Überschriften und Teasern nämlich. Jedenfalls hast du Gefallen an dem gefunden, was du hier liest, und bist für mehrere Minuten hängengeblieben.

Warum eine lange Lesedauer so wichtig ist

Google zieht daraus den Schluss, dass dieser Blogartikel irgendwas haben muss, das deine Aufmerksamkeit weckt – und viel wichtiger dauerhaft bindet. Bei der nächsten ähnlichen Suchanfrage eines anderen Google-Nutzers wird Google diesem Artikel deshalb eine höhere Priorität einräumen, der Artikel also in den Suchergebnissen langsam nach oben rutschen.

Soweit die Theorie. Andersrum funktioniert das allerdings genauso: Klicken Leser einen Link an, und merken dann, dass der Artikel dazu nicht ihren Erwartungen entspricht, verlassen sie die Seite nach wenigen Sekunden wieder. Google interpretiert das als negativen Impuls. Passiert das häufiger, wird Google den Artikel auf den Ergebnisseiten für eine bestimmte Suchphrase abwerten.

Kurz zusammengefasst

Merke also: Schreibe deine Webtexte nicht für Google, sondern für deine Leser. Mit der Spannung kommt automatisch die lange Lesedauer, die Google als Rankingfaktor interpretiert.

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#4: Gute Webtexte haben informative Überschriften und Teaser. Google kann das Thema leicht erkennen.

Die nach SEO-Kriterien ideale Überschrift ist kurz, spannend und informativ zugleich. Gleiches gilt für das Snippet oder den Teaser, oft also den ersten Absatz. Redakteure mögen an dieser Stelle verzeihen, dass ich das so salopp formuliere. Ja, ein Teaser ist nach redaktionellen Maßstäben natürlich etwas völlig anderes als der erste Absatz. Hier geht’s aber um Google-Maßstäbe.

Die richtigen Schlagworte an der richtigen Stelle

Jedenfalls helfen gute Überschriften und Snippet-Teaser Google-Nutzern bei der subjektiven Sekunden-Entscheidung, ob sie einen Link anklicken. Weil sie nach etwas Speziellem gesucht haben, nehmen sie zwei bis drei Schlagworte in Überschrift und Snippet-Teaser unmittelbar wahr. Zugleich machen diese Keywords das Thema des Artikels für Google leichter erkennbar.

Beispiel: Warum auch eine lange Überschrift funktionieren kann

Ausnahmen bestätigen übrigens die Regel: Die Überschrift dieses Blogartikels ist definitiv zu lang, ich habe sie aber trotzdem bewusst gewählt, weil ich glaube, dass sie Lust macht, diesen Artikel zu lesen und die These zugleich klar umreißt. Sie erfüllt damit zwei der drei Kriterien, nämlich spannend und informativ zu sein. Was die Länge angeht, habe ich das Interesse meiner Leser über das von Google gestellt. Zugleich gehe ich aber davon aus, dass sie in Kombination mit dem Snippet-Teaser, dem ersten Absatz, den Keywords und den Zwischenüberschriften dennoch für Google die entscheidenden Infos bietet.

Kurz zusammengefasst

Ich fasse wieder zusammen: Stimme Überschrift, Teaser und ersten Absatz so aufeinander ab, dass der Inhalt spannend formuliert und das Thema unmittelbar klar sind. Dann spielt auch Google mit.

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#5: Leser merken, wenn Texte für Google geschrieben sind. Google auch. Beide finden das nicht lustig.

Hin und wieder findet man sie noch im Netz: Artikel, die ein und das gleiche Schlagwort in nahezu jedem Satz wiederholen. Es sind Texte, die sich ziemlich absurd lesen, weil sie künstlich sind. Sie stammen aus einer Zeit, als Schlagworte noch als das A und O guter SEO-Taktik galten (oder, falls sie aktuell sind, von ziemlich gestrigen SEO-Agenturen).

Google will das Beste für seine Nutzer

Für Leser sind diese Artikel eine Qual, weil sie nicht mit Textrhythmus, Sprache und Stil spielen und sich – salopp gesagt – ätzend langweilig lesen. Google weiß das inzwischen, und weil Google die beste Suchmaschine sein will, will Google auch seinen Nutzern die besten Ergebnisse liefern und keine, die sie langweilen. Also wertet Google solche Artikel ab. Es macht also keinen Sinn mehr, Texte auf diese plumpe Art für Google zu schreiben.

Kurz zusammengefasst

Ergo: Schreibe keine keyword-überfrachteten SEO-Artikel für Google.

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Deine Meinung?

Soweit, so klar? Ich weiß, dass meine These in diesem Blogpost steil ist und so mancher SEO-Experte wird sicher mindestens eine Augenbraue lüpfen. Aber hei, wozu gibt es Kommentare? Also bitte: Wenn du andere Erfahrungen gemacht hast, lass uns gern darüber diskutieren!